Die Judenverfolgunfg im "Dritten Reich" (1941-1942)

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Die Judenverfolgunfg im "Dritten Reich" (1941-1942)

I. Einleitung.

Die Naziordnung lie├▀ nach sich die Spuren der Verbrechen, die zu jener Zeit nicht alle f├╝r Verbrechen hielten.

Unter Untaten und Verbrechen belegt die Judenverfolgung einen mehr als bedeutenden Platz.

In dieser Arbeit wird dieses Thema behandelt.

Es besteht ein Risiko, sich bei der Systematisierung von nazistischen Untaten von dem zu behandelnden Thema zu distanzieren. Deshalb lassen wir uns alle Verallgemeinerungen entgehen. Wir konzentrieren uns auf Zeugnisse von unber├╝hmten, aber bestimmten Personen, die den unmenschlichen Experimenten zum Opfer fielen.

Man kann uns beschuldigen, dass die Zeugnisse einen zu privaten Charakter haben. Wir sehen diese Beschuldigungen voraus. Unser Kontrargument ist, dass aus solchen "unber├╝hmten˛└Ţ Zeugen die Armee von Opfern besteht, die sowieso ber├╝hmt ist.

Das muss nicht beweisen werden. Weil die Beweise bis jetzt nicht "ausgerottet˛└Ţ werden k├Ânnen, obgleich es die Leute gibt, die darauf Augen zuzudr├╝cken versuchen.

Es lohnt sich den ganzen Umfang der Verwirklichung von der Politik, die auf der Rassentheorie basierte, an Beispielen von ihren ├Âstlichen (Riga, Warschau, Breslau) und westlichen (Amsterdam, Auschwitz usw.) Richtungen bei der Losung "judischer Frage˛└Ţ zu zeigen. Wir beschr├ńnken uns auf den Zeitabschnitt 1941 - 1942. Als Epigraph zur Beschreibung einer jeden Aktion wird die Rede von Nazisleaders angef├╝hrt. Dadurch wird ihre Politik ohne weiteren Kommentar illustriert.

Hoffentlich wird diese Arbeit ein Beitrag zur Ermahnung an die Ereignisse, die nie vergessen sein m├╝ssen.

II. Im Allgemeeinen.

Merke, es gibt Untaten, ├╝ber

welche kein Gras w├ńchst.

J. P. Hebel

Der 9. November 1938 wird in der deutschen Geschichte f├╝r immer ein Datum der Schande bleiben. In der sogenannten "Reichskristallnacht˛└Ţ wurden in ganz Deutschland die Schaufenster der judischen Gesch├ńfte eingeschlagen, die Synagogen angez├╝ndet und Zehntausende j├╝discher B├╝rger in die Konzentrationslager verschleppt. Dieser zentral gelenkte Pogrom war nur das Vorspiel zum staatlich organisierten, industriell betriebenen Massenmord an den Juden in Deutschland und allen besetzten L├ńndern Europas.

Schon w├ńhrend des zweiten Weltkrieges, als die Kamine von Ausschwitz noch Tag und Nacht rauchten, verfassten j├╝dische Augenzeugen Berichte ├╝ber das Martyrium ihres Volkes und das W├╝ten der M├Ârder. Im Versteck, in Ghetto und Lagern, vor den Augen des Feindes, unter Lebensgefahr und oft noch im Angesicht des Todes schrieben die Verfolgten ihre Erlebnisse auf. Viele versteckten ihre Tageb├╝cher und vergruben ihre Notizen, weil sie hofften, jemand k├Ânnte eines Tages ihre Aufzeichnungen finden, falls sie selbst nicht am Leben blieben.

Es entstand eine neue Literatur, geboren aus dem dr├ńngenden Bed├╝rfnis, den Mitmenschen kundzutun, was man erlebt und gesehen hatte. Dieses Bewusstsein der missionarischen Verpflichtung, eine Nachricht zu ├╝berbringen, das heute manchen fremd anmuten mag, war damals aufrichtig und allgemein. Selbst die Sterbenden baten die J├╝ngeren, die noch Kraft zu einem Fluchtversuch hatten, die Botschaft von ihrem Leiden mit hinauszunehmen in die Welt. Es ist keine nachtr├ńgliche Pose, wenn die ├▄berlebenden schreiben, dass nur dieser Gedanke sie aufrecht hielt, denn nach dem Verlust ihrer Familie war ihnen der Tod oft vertrauter als das scheinbar sinnlos gewordene Leben. Die H├Âlle, der sie ausgesetzt waren, schien so wahnwitzig, dass sie ├╝berzeugt waren, die Welt w├╝rde ihr Fortbestehen nicht einen Tag l├ńnger dulden, wenn sie nur die Wahrheit erf├╝hre - ja, diese Welt selbst k├Ânnte so nicht bestehenbleiben, in der dies m├Âglich geworden war.

Die meisten Zeugnisse sind mit ihren Schreiben verschollen. Hier und da fand man sp├ńter hinter einer Mauer oder auf einem Dachboden ein verstaubtes Heft, letztes Lebenszeichen eines Menschen, dessen Spur ins Nichts f├╝hre. Einige Berichte wurden w├ńhrend des Krieges von Fl├╝chtlingen ins neutrale Ausland gebracht oder unter dem frischen Eindruck der Erlebnisse in der Freiheit niedergeschrieben.

Jeder ├▄berlebende glaubte etwas ganz Einmaliges und Wichtiges erz├ńhlen zu m├╝ssen. Er verstand sich als zuf├ńlligen, vielleicht einzigen Zeugen einer menschenvernichtenden Katastrophe. Damals waren die wenigen, die aus Auschwitz oder dem brennenden Warschauer Ghetto entkamen, tats├ńchlich Sendboten aus einer Unterwelt, von der man noch auf keine andere Art verl├ńssliche Nachricht empfangen hatte.

Auf Himmlers Befehl wurden zwar vor Kriegsende noch die meisten Unterlagen seines Amtes vernichtet, aber schon die zuf├ńllig erhalten gebliebenen Dokumente ergeben ein erdr├╝ckendes Beweismaterial. Die Tatsachen sind heute allgemein bekannt oder k├Ânnten es zumindest sein, da inzwischen gen├╝gend dieser Akten ver├Âffentlicht wurden.

Die Judenverfolgung, die sich bis zum staatlich organisierten Genozid steigerte, ist das nach umfang und Systematik sicher furchtbarste Verbrechen der Nazis, die auch Millionen Angeh├Âriger der slawischen V├Âlker ermordeten. Die Juden waren die ersten Opfer eines umfassenden Ausrottungsprogramms zur "rassischen Neuordnung˛└Ţ Europas, das von eimen siegreichen Hitlerdeutschland verwirklicht worden w├ńre. Ihr Schicksal beweist, in welchen Abgrund des Verbrechens die nazistische Raubtierphilosophie f├╝hre. An diesem Beispiel zeigt sich die Krankheit einer ganzen Epoche. Nicht eine judische, eine deutsche Angelegenheit wird hier verhandelt.

Mit Hitlers Machtantritt war das Ende der Demokratie in Deutschland gekommen. Die erste Terrorwelle richtete sich gegen die deutsche Arbeiterbewegung, in der die Nazis zu Recht ihren entschiedensten Gegner erkannten. Die Stimme der Vernunft und der Humanit├ńt musste gewaltsam zum Schweigen gebracht werden, bevor die neuen Machthaber ihre Pl├ńne in die Tat umsetzen konnten. Bald wurden alle politischen Parteien verboten. Entsetzt erkannten die Verfolgten, dass der Staat das Verbrechen sch├╝tzte: Verbrecher hatten die Staatsmacht ├╝bernommen. Noch gab es Widerst├ńnde in der Maschinerie, aber die Gleichschaltung hatte begonnen. Eine w├╝ste antikommunistische und antisemitische Hasspropaganda diente der Einsch├╝chterung und Disziplinierung der Bev├Âlkerung wie der psychologischen Vorbereitung weiterer Massnahmen, die den Terror zum Gesetzt erhoben. Der Errichtung der Konzentrationslager f├╝r alle politischen Gegner des Regimes folgten 1935 die N├╝rnberger Rassengesetzte, die den R├╝ckfall ins Mittelalter konstituierten.

1938 demonstrierte der neue Staat seinen kriminellen Charakter in aller ├Íffentlichkeit. Der zentral gelenkte Pogrom vom 9. November, der von der Propaganda als spontane Erhebung der deutschen Bev├Âlkerung hingestellt wurde, leitete mit Brandstiftung, Mord und Massenverhaftungen eine zweite Welle von Gesetzten ein. Man nahm den deutschen Juden auf juristischem Wege die letzten Rechte und entzog ihnen die wirtschaftliche Existenzgrundlage, um sie zur Emigration zu zwingen.

Nach Beginn des zweiten Weltkrieges wurde der bis dahin erreichte Stand der antisemistischen Gesetzgebund in vollem Umfang auf die von Hitlers Truppen ├╝berfallenen L├ńnder ├╝bertragen. Die polnischen Juden mussten als erste das Zeichnen des Davidsterns anlegen. Sie wurden in bewachten Ghettos gefangengehalten, in denen Hunger und Seuchen bald ein Massensterben ausl├Âsten. In den westeurop├ńischen Staaten begn├╝gte man sich vorerst mit der Registrierung und der Einf├╝hrung der Kennzeichnungspflicht.

Mit dem ├▄berfall auf die Sowietunion begann die n├ńchste Etappe. An die Stelle der Umsiedlung trat nun die Vernichtung. In allen D├Ârfern und St├ńdten von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer wurde die j├╝dische Bev├Âlkerung unter dem Vorwand einer Registrierung zusammengetrieben und bis auf wenige, f├╝r die Truppe unentbahrliche Fachkr├ńfte an Ort und Stelle erschossen. Gelegentlich verwendete man auch Gaswagen, wie sie in Deutschland bei der "Euthanasie˛└Ţ-Aktion eingesetzt wurden. Gleichzeitig suchte man nach wirksameren und weniger auff├ńlligen T├Âtungsmethoden.

An mehreren Orten im besetzten Polen, deren Namen heute die ganze Welt kennt, wurden besondere Anlagen mit Gaskammern und Krematorien errichtet, in dennen der Massenmord industriell betrieben werden konnte. 1942 erreichtete die Verfolgung ihre h├Âchste Stufe: das prinzip der Deportation und Vernichtung wurde auf alle von Hitlerdeutschland besetzten L├ńnder angewandt. In Polen wurde ein Ghetto nach dem anderen mit barbarischer Brutalit├ńt ger├ńumt und die gesamte Bev├Âlkerung - M├ńnner, Frauen, Kinder und Greise - in G├╝terz├╝gen zur Hinrichtung gefahren.

In Westeuropa wiederholte sich dieselbe Trag├Âdie, ├╝berall begann nun die grosse Menschenjagd. Wer nicht freiwillig zum Sammelplatz ging, den holte die Polizei. Aus allen Himmelsrichtungen des Kontinents rollten die Transporte in die Todeslager.

In Auschwitz-Birkenau entstand die zentrale Vernichtungsanlage, die schliesslich eine Tageskapazit├ńt von 9000 vergasten und verbrannten Menschen erreichte. Gleichzeitig befand sich hier das gr├Âsste Konzentrationslager, in dem hunderttausende von Deportierten als Sklavenarbeiter f├╝r die deutsche Grossindustrie gehalten wurden, bis man auch sie als arbeitsunf├ńhig vergaste oder verbrannte.

Die deutschen Juden hatten den l├ńngsten Leidensweg und gingen durch alle seine Stationen. Sie starben in den Ghettos von Lodz und Theresienstadt, in den Erschiessungsgruben von Riga und Minsk oder in den Gaskammenr von Auschwitz und Treblinka. Nach achtj├ńhrigem Pariadasein brachten sie nur noch wenig Widerstandskraft auf, als die Abtransporte nach dem Osten begannen. Von der deutschen Bev├Âlkerung wurden die Deportationen - wie alle anderen Verbrecher der Nazis - fast widerspruchslos hingenommen. W├ńhrend es in den europ├ńischen Nachbarl├ńndern selbst unter deutscher Besatzung zahlreiche Akte des Protestes und der Solidarit├ńt gab, blieben in Deutschland die Kirchen stumm und Versuche von Widerstand und Hilfe f├╝r die Verfolgten die Ausnahme.

├▄berall in Europa wurde ein stiller, z├ńher Kampf um falsche P├ńsse, um Waffen und um Obdach f├╝r die Untergetauchten gef├╝rt. Aber das st├ńrkste Beispiel mutiger Auflehnung gab die polnische Judenheit. Es war das Warschauer Ghetto, das 1943 zur letzten Schlacht antrat f├╝r das Recht des Menschen, wie ein Mensch zu sterben. Die Flamme des Aufstandes griff auf andere Ghettos und Todeslager ├╝ber und wirkte bis in die Reihen der westeurop├ńischen R├Úsistance als Signal und Ermutigung.

Nach dem Beginn der sowjetischen Gegenoffensive begannen die M├Ârder, die Vernichtungslager einzuebnen. Sie liessen auch die riesigen Massengr├ńber ├Âffnen und die Leichen verbrennen, um keine Spuren ihrer Verbrecher zu hinterlassen. Gleichzeitig wurden die Vergasungen in Auschwitz noch ununtergebrochen fortgesetzt, nur vor├╝bergehend eingeschr├ńnkt durch die Bed├╝rfnisse der Kriegswirtschaft, die mit der Zielsetzung des Rassenwahns in Widerspruch geriet. 1944, zur Zeit der alliierten Invasion, erfuhr der Massenmord mit der Deportierung einer halben Million ungarischer Juden seinen grausigen H├Âhepunkt. Ein Wettlauf mit der Zeit begann.

Gegen Kriegsende wurden die Insassen der Konzentrationslager auf Gewaltm├ńrschen ins Innere Deutschlands getrieben. Tausende fanden nich wenige Tage vor der Befreiung den Tod. Kein H├ńftling sollte in die H├ńnde der Sieger fallen. Man f├╝rchtete lebende Zeugen.

Ein Jude, der im besetzten Europa ├╝berleben wollte, musste nicht einem, er musste hundert Toden entkommen. In jeder Stadt, in jeder Strasse lauerten auf ihn die Menschenf├ńnger. Ihr Netz war eng und undurchl├ńssig, und wer ihnen einmal entkam, war noch nicht gerettet.

Einige von Zeugen konnten noch rechtzeitig auf legalem Wege ihre Heimat verlassen. Die meisten hatten einen gef├ńhrlicheren Weg. Sie entkamen den Razzien, flohen aus den Ghettos und brachen aus den Deportationsz├╝gen aus. Sie lebten im Versteck oder mit falschen Papieren, schlugen sich in neutrale L├ńnder durch oder gingen in die W├ńlder zu den Partisanen. Das Lager haben nur die wenigen ├╝berlebt, die bessere Lebensbedingungen hatten, weil sie als ├─rzte oder B├╝rokr├ńfte f├╝r die SS-Verwaltung arbeiteten, oder jene, die erst im letzten Kriegsjahr eingeliefert wurden und noch besonders widerstandsf├ńhig waren. Jeder von ihnen h├ńtte eine Odyssee zu berichten.

Die Jahre vergehen, die Spuren von Blut und Asche sind verblasst. ├▄ber der gemarterten Erde Polens und der ehemaligen Sowjetunion, auch auf dem Boden der fr├╝heren Vernichtungslager und Erschiessungsgruben, w├ńchst ein Gras, und mit ihm w├ńchst die Gefahr des Vergessens.

III. Polen unterm Hakenkreuz.

"Heute, mein F├╝hrer, steht das Volk einiger denn je um sie geschart. Was Sie von diesem Volk fordern werdern, es wird freudig alles in blindem Vertrauen geben. Es wird in blindem Vertrauen dem F├╝hrer folgen. Wie ein st├ńhlerner Block im gl├╝henden Feuer gewaltiger Ereignisse ist heute die Einheit Deutschlands.

Das Volk geht dorthin und wird dorthin marschieren, wohin Sie die Richtung geben. Sei es zum erw├╝nschten Frieden, sei es aber auch zum entschlossensten Widerstand.

Niemals aber haben wir, das deutsche Volk, freudiger und ├╝berzeugter und entschlossener den Willen bekundet: F├╝hrer befiehl, wir folgen˛└Ţ.

                                                                       Hermann G├Âring.

Die Judenverfolgung in Polen beschr├ńnken sich nat├╝rlich nicht mit dem Zeitabschnitt von 1941 bis 1942. Sie haben eine lange Vorgeschichte.

Historisch gesehen, die Beziehungen zwischen Bev├Âlkerung Polens und Deutschlands waren immer gespannt. Davon zeugen zahlreiche lokale Konflikte, die sp├ńter in die Kriege ├╝bergangen. Territoriale Anspr├╝che von beiden Seiten versch├ńrften die Situationen an der Grenze.

Deutschland hat w├ńhrend des zweiten Weltkrieges alle Bilanzen gezogen. Die ersten Sch├Âsse knallten n├ńmlich auf dem Gel├ńnde von Polen. Dieses Land wurde zum ersten Objekt der deutschen Aggression. Die Truppen der deutschen Soldaten marschierten am 1. September 1939 ein im Einklang mit Panzer- und Flugzeugemotorengebr├╝ll. Polen gab blitzschnell den Widerstand auf. Es fiel unter die Stiefel von Siegern.

"Hitlerkameraden˛└Ţ konnten sich aber mit einem blossen Untergang von Polen nicht befriedigen. Das Land verwandelte sich zu einem der schlimmsten Polygonen, wo die Rassenpolitik durchgemacht wurde.

Es lohnt sich nicht, die ganze b├╝rokratische Begr├╝ndung (eine Menge von Unterlagen) anzuf├╝hren, um das, auf welche Weise das System der Judenverfolgung aufgebaut wurde, zu zeigen. Es wird eine kurze Verordnung von 14. November 1939 reichen:

"Erhebliche durch die Juden verursachte Missst├ńnde im ├Âffentlichen Leben des Verwaltungsbereichs des Regierungspr├ńsidenten zu Kalish veranlassen mich, f├╝r den Verwaltungsbereich des Regierungspr├ńsidenten zu Kalish folgendes zu bestimmen:

┬š 1

Als besonderes Kennzeichen tragen Juden ohne R├╝cksicht auf Alter und Geschlecht am rechten Oberarm unmittelbar unter der Achselh├Âle eine 10 cm breite Armbinde in judengelber Farbe.

┬š 2

Juden d├╝rfen im Verwaltungsbereich des Regierungspr├ńsidenten zu Kalish in der Zeit von 17 - 8 Uhr ihre Wohnung ohne meine besondere Genehmung nicht verlassen.

┬š 3

Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit dem Tode bestraft. Bei Vorliegen mildender Umst├ńnde kann auf Geldstrafe in unbeschr├ńnkter H├Âhe oder Gef├ńngnis, allein oder in Verbindung miteinander, erkannt werden.

┬š 4

Diese Verordnung tritt bis auf die Bestimmung in ┬š 1 sofort von 18. November 1939 ab in Kraft.

Lodz, den 14. November 1939.

Der Regierungspr├ńsident zu Kalish

├▄belh├Âr˛└Ţ.

Hinter den ganz offiziell und absolut neutral klingenden W├Ârtern versteckt sich der Begriff "Ghetto˛└Ţ. Eine von H├ńflingen Mary Berg beschreibt in irhen Tageb├╝chern, die sie sp├ńter ("Zwei Jahre im Warschauer Ghetto˛└Ţ) genannt und ver├Âffentlicht hat, ihr Leben darin. Jede Seite ist ein kompromissloses Zeugnis und eine offene Beschuldigung:

"15. November 1940.

Heute wurde das judische Ghetto offiziell eingerichtet. Es ist den Juden verboten, sich ausserhalb seiner Grenzen zu bewegen, die von bestimmten Strassen gebildet werden. Es herrscht grosse Aufregung. Die menschen eilen nerv├Âs in den Strassen hin und her und geben fl├╝sternd Ger├╝chte weiter, eines phantastischer als das andere.

Die Arbeit an den Mauern, die fast drei Meter hoch werden sollen, hat schon begonnen. Von Nazi-Soldaten bewacht, schichten j├╝dische Mauer Ziegel auf Ziegel. Wenn einer nicht schnell genug arbeitet, wird er von den Aufsehern geschlagen. ich muss an unsere Sklaverei in ├─gypten denken, wie sie in der Bibel beschrieben ist. Aber wo ist der Moses, der uns aus dieser neuen Knechtschaft f├╝hren wird?

Am Ende der Strassen, die noch nicht v├Âllig f├╝r den Verkehr gesperrt sind, stehen deutsche Wachen. Deutsche und Polen d├╝rfen das abgesperrte Viertel betreten, aber keine Pakete bei sich tragen. Das Gespenst des Hungertodes steht uns allen vor Augen˛└Ţ.

Die Nazisverbrecher ├ńusserten eine feine Erfindlichkeit beim Einrichten des Ghettos. Als h├ńtten sie vorausgesehen, dass sie f├╝r ihre Taten Verantwortung tragen werden (nicht die propagierte, sondern ganz reale), machten sie alles so, dass es die M├Âglichkeit gab, sich in einem Gerichtsprozess zu verteidigen. Ein jeder Nazi, sogar derjenige, der ein unmittelbarer Vollzieher der Rassentheorie, konnte die Beschuldung ablehnen. Er hatte immer das Argument, er habe Folge dem Befehl des Obergestellten geleistet, wenn das aber nicht funktionierte, er hatte noch eine Chance, und zwar: er selbst habe niemanden totgeschlagen oder geschossen. Die Juden starben selber. Er weiss nicht, woran das gelegen habe - vielleicht am Hunger oder an der K├ńlte. Diese Erscheinung befanden sich aber ausserhalb seiner Befugnisse.

Inzwischen funktionierte der Mechanismus des Massenmordes weiter. K├ńlte, Hunger, Blokade und Beschr├ńnkung der Bewegungen arbeiteten mit Nazis Hand in Hand zusammen:

"4. Januar 1941.

Das Ghetto liegt im tiefen Schnee. Es ist schrecklich kalt, und keine Wohnung ist geheizt. Wo ich auch hingehe, finde ich die Menschen in Decken geh├╝llt oder unter Federbetten zusammengekauert, soweit diese warmen Sachen nicht schon von den Deutschen f├╝r ihre Soldaten beschlagnahmt worden sind. Die bittere K├ńlte macht die deutschen Posten, die an den Ghettotoren Wache stehen, noch grausamer als sonst. Wenn sie durch den tiefen Schnee auf und ab stapfen, schiessen sie von Zeit zu Zeit. Nur so, um sich aufzuw├ńrmen. Viele Passanten werden ihre Opfer. Andere Wachen, die sich w├ńhrend ihres dienstes langweilen, organisieren sich eine besondere unterhaltung. Sie w├ńlen sich zum Beispiel ein Opfer unter den zuf├ńllig Vor├╝bergehenden und befehlen ihm sich mit dem Gesicht in den Schnee zu werfen. Wenn er einen Barr tr├ńgt, reissen sie ihn aus, bis der Schnee sich vom Blut rot f├ńrbt. Falls so ein Nazi schlechter Laune ist, kann auch der judische Polizist, der mit ihm Wache steht, das Opfer sein.

Gestern beobachtete ich, wie ein deutscher Gendarm einen judischen Polizisten auf der Chlodna-Strasse, in der n├ńhe des Durchgangs vom grossen zum kleinen Ghetto, "exertieren˛└Ţ lies. Der junge Mann war zum Schluss v├Âllig auser Atem, aber der nazi zwang ihn weiter auf und nieder, bis er in einer Blutlache zusammenbrach. Jemand rief nach einen Krankenwagen, und der judische Polizist wurde auf eine Bahre gelegt und mit einem Handwagen fortgebracht. Im ganzen Ghetto gibt es nur drei Krankenwagen, deswegen werden meistens Handwagen benutzt...˛└Ţ.

Um sich zu versichern, dass getroffene Massnahmen effektiv sind, beschr├ńnkten Nazisverbrecher die Lieferungen von Lebensmitteln nach Ghetto.

"28. Februar 1941.

Die Brotknappheit wird immer schlimmer. Auf die Lebensmittelkarten gibt es sehr wenig, und auf dem Schwarzen Markt kostet ein Pfund Brot jetzt zehn Zloty. Das Brot ist schwarz und schmekt nach S├ńgesp├ńnen. Weisses Brot kostet sogar 15 bis 17 Zloty. Auf der "arischen˛└Ţ Seite sind die Preise viel niedriger˛└Ţ.

Und gleichzeitig wurde Ghetto mit neuen Opfern, die aus Fluchtlingen bestanden, immer mehr bepackt. Es herrschte totale Antisanit├ńrie. Im Winter 1941 zugefrorene Abw├ńsserr├Âren wurden nie renoviert. Der Mangel an Arzneien f├╝hrte zur Gefahr der Cholera-Epidemie.

Das war aber nicht der Schluss, der den Becher des Ungl├╝cks zum ├▄berlaufen bringen k├Ânnte. Der Mensch kann viel erdulden, wenn er in psychologischer Ruhe ist. Das verstanden die Nazi und als das letzte Mittel wurde von ihnen Desinformation ersch├Âpferischen Charakters in Gang gesetzt:

"17. April 1942.

Das ganze Ghetto war heute in Panikstimmung. Die Leute verschlossen eilig ihre L├ńden. Es lief ein Ger├╝cht um, dass ein besonderes "Vernichtungskommando˛└Ţ, das schon den Pogrom in Lublin ver├╝bt hat, in Warschau angekommen sei, um auch hier ein Massaker zu organisieren˛└Ţ.

Wir haben die Zeilen nur von einem Menschen angef├╝rt.

Also nur von einem Opfer.

Insgesamt betrug die Zahl von Opfern 4800000 Menschen, unter denen 1600000 ums Leben gekommen sind.

IV. Exekutionen im Osten.

"Ich will hier vor Ihnen in aller Offenheit auch ein ganz schweres Kapitel erw├ńhnen. Unter uns soll es einmal ganz offen ausgesprochen sein, und trotzdem werden wir in der ├Íffentlichkeit nie dar├╝ber reden...

Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des j├╝dischen Volkes. Es geh├Ârt zu den Dingen, die man leicht ausspricht.- "Das j├╝dische Volk wird ausgerottet˛└Ţ, sagt ein jeder Parteigenosse, "ganz klar, steht in unserem Program, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir˛└Ţ... Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von euch werden die meisten wissen, was es heisst, wenn 100 Leichen beisammenliegen, wenn 50 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgestanden zu haben und dabei - abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schw├ńchen - anst├ńndig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte˛└Ţ.

Heinrich Himmler in einer Rede vor

SS-F├╝hrern in Posen am 4. Oktober 1943.

Exekutionen im Osten hatten ein vielfaltigen Charakter.

Dass Hitler in seinem Programm die Absichten ├ńusserte, die Untermenschen zu vernichten, zu denen ausser Juden auch Slaven geh├Ârten, ist weltbekannt.

Die Handlungen von Nazis verbreiteten sich auf Russen, Polen, Ukrainern, Tschechen und Slovaken. Bis jetzt sind die Stellen der Massenmorde nicht zu vergessen.

Ein besonderer Punkt ist der Krieg mit Partisanen. Dass die Menschen auf dem besetzten Gel├ńnde Widerstand leisten, war ausserhalb des deutschen Verst├ńndnisses. Dar├╝ber hinaus wurden die Menschen, die an der Teilnahme an der Partisanenbewegung verd├ńchtigt gewesen waren, sehr hart behandelt. Zahlreiche Foltern, mittel├ńlterische Erfindlichkeit beim Umbringen, Verfolgerungen der Verwandten bleiben bis jetzt im Ged├ńchtnis der ├Íffentlichkeit.

Nat├╝rlich wurden Juden von Nazis nicht ausser Acht gelassen.

Aus dem Tagebuch des SS-Hauptscharf├╝hrers Felix Landau.

"11.07.1941. Um 11 Uhr Abends kamen wir zur├╝ck zur Dienststelle. Hochbetrieb. Unten im Keller, den ich noch vormittags ausger├ńumt habe, stehen f├╝nfzig H├ńftlinge, darunter zwei Frauen. Ich l├Âste sofort freiwillig einen Kameraden - der bei diesen Wache hatte - ab. Fast alle werden morgen erschossen. Die meisten Juden unter ihnen waren aus Wien. Sie tr├ńumten noch immer von Wien. Ich mache bis drei Uhr fr├╝h des anderen Tages Dienst. Hundem├╝de komme ich dann endlich um halb vier Uhr ins Bett.

12.7.41. Um sechs Uhr fr├╝h werde ich pl├Âtzlich aus meinem festen Schlaf geweckt. Zur Execution antreten. Nun gut, spiele ich halt noch Henker und anschliessend Totengr├ńber, warum nicht. Ist doch eigent├╝mlich, da liebt man den Kampf und dann muss man wehrlose Menschen ├╝ber den Haufen schiessen. Dreiundzwanzig sollten erschossen werden. Darunter befinden sich die schon erw├ńhnten Frauen. Sie sind zu bestaunen. Sie weigerten sich, von uns auch nur ein Glas Wasser anzunehmen. Ich werde als Sch├╝tze eingeteilt und habe event├╝ll Fl├╝chtende zu erschiessen. Wir fahren die Landstrasse einige Kilometer entlang und gehen dann rechtseitig in einen Wald. Wir sind nur sechs Mann augenblicklich und suchen nach einem geeigneten Ort zum Erschiessen und Vergraben. Nach wenigen Minuten haben wir so etwas gefunden. Die Todeskandidaten treten mit Schaufeln an, um ihr eigenes Grab zu schaufeln. Zwei weinen von allen. Die anderen haben bestimmt erstaunlichen Mut. Was wohl jetzt in diesem Augenblick in den Gehirnen vorgehen mag? Ich glaub, jeder hat eine kleine Hoffnung, irgendwie doch nicht erschossen zu werden. Die Todeskandidaten werden in drei Schichten eingeteilt, da nicht so viele Schaufeln hier sind. Eigent├╝mlich, in mir r├╝hrt sich nichts. Kein Mitleid, nichts. Es ist eben so, und damit ist alles f├╝r mich erledigt...˛└Ţ.

Merkw├╝rdig ist, dass der Mensch, der Tageb├╝cher f├╝hrt und hat vielleicht das Bed├╝rfnis, seine Taten einzusch├ńtzen, v├Âllige Gleichg├╝ltigkeit zeigt. Wir behandelten aber einen zu privaten Fall. Eine mehr generalisierte Information stellt uns der gebietskomissar Gert Erren in seinem Bericht "Freudigster Arbeitseinsatz˛└Ţ zur Verf├╝gung. Punktualit├ńt, Sachk├╝ndigkeit und schon erw├ńhnte v├Âllige Gleichg├╝ltigkeit verbinden sich in jeder Zeile. Wir f├╝hren nur diejenigen an, die unser unmittelbares Thema betreffen:

Judentum:

"Bei meiner Ankunft z├ńhlte das Gebiet Slonim etwa 25000 Juden, davon allein in der Stadt Slonim etwa 16000, also ├╝ber zwei Drittel der gesamten Stadtbev├Âlkerung. Ein Ghetto einzurichten war unm├Âglich, da weder Stacheldraht noch Bewachungsm├Âglichkeiten vorhanden waren. Daher traf ich von vornherein Vorbereitungen f├╝r eine k├╝nftige gr├Âssere Aktion. Zun├ńchts wurde die Enteignung durchgef├╝hrt und mit dem anfallenden Mobiliar und Ger├ńt s├ńmtliche deutsche Dienststellen, einschliesslich Wehrmachtquartiere, ausgestattet und so weit grossz├╝gige Hilfeleistung bei anderen Gebieten gestellt, dass jetzt beim Anwachsen aller Dienststellen bei mir selbst Mangel herrscht. F├╝r Deutsche unbrauchbares Zeug wurde der Stadt zum Verkauf an die Bev├Âlkerung freigegeben und der Erl├Âs der Amtskasse zugef├╝rt. Dann folgte eine genaue Erfassung der Juden nach Zahl, Alter und Beruf, eine Herausziehung aller Handwerker und Facharbeiter, ihre Kenntlichmachung durch Ausweise und gesonderte Unterbringung. Die vom SD am 13.11. durchgef├╝rte Aktion befreite mich von unn├Âtigen Fressern; und die jetzt vorhandenen etwa 7000 Juden in der Stadt Slonim sind s├ńmtlich in den Arbeitsprozess eingespannt, arbeiten willig aufgrund st├ńndiger Todesangst und werden im Fr├╝hjahr genauestens f├╝r eine weitere Verminderung ├╝berpr├╝ft und aussortiert. Das flache Land wurde eine Zeitlang grossz├╝gig von der Wehrmacht ges├ńubert; leider nur in Orten unter eintausend Einwohnern. In den Rayonst├ńdten wird nach der Durchf├╝hrung der hilfsarbeiten f├╝r die West-Ost-Bewegung das Judentum bis auf die notwendigsten Handwerker und Facharbeiter ausgemerzt werden. Da die Wehrmacht nicht mehr bereit ist, Aktionen auf dem flachen Lande durchzuf├╝hren, werde ich die gesamten Juden des Gebietes in zwei oder drei Rayonst├ńdten zusammenfassen, nur in geschlossen Arbeitskolonnen einsetzen, um damit endg├╝ltig Schleichhandel und Partisanenunterst├╝tzung durch Juden auszurotten. Die besten Fachkr├ńfte unter den Juden m├╝ssen unter Aufsicht in meinen Handwerkerschulen ihre Kunst intelligenten Lehrlingen weitergeben, um einmal den Juden auch im Handwerk entbehrlich zu machen und auszuschalten˛└Ţ.

V. Die "Aussiedlung˛└Ţ (1942).

"Aus dem Generalgouvernement werden jetzt, bei Lublin beginnend, die Juden nach dem Osten abgeschoben. Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht mehr zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel ├╝brig. Im grossen kann man wohl feststellen, dass 60 Prozent davon liquidiert werden m├╝ssen, w├ńhrend nur 40 Prozent bei der Arbeit eingesetzt werden k├Ânnen. Der ehemalige Gauleiter von Wien (Globocnik), der diese Aktion durchf├╝hrt, tut das mit ziemlicher Umsicht und auch mit einem Verfahren, das nicht allzu auff├ńllig wirkt˛└Ţ.

Josef G├Âbbels in seinem Tagebuch am 27. M├ńrz 1942.

Die Aussiedlung wurde aus vielen Gr├╝nden durchgef├╝hrt. Zahlreiche KZ wurden ├╝berf├╝llt. Deutsche meinten, es hatte keinen Sinn, die ganze Masse von H├ńftlingen "zu pflegen˛└Ţ. Sie brauchten Essen, Kleidung und eigentlich medizinische Bedienung, mag sie auch ganz schlecht sein. Die Ausgaben bew├ńhrten sich nicht. Es kam zur Notwendigkeit den gr├Âssten Teil von H├ńftlingen loszuwerden.

Der Massenmord h├ńtte zu viel Zeit und Kr├ńfte in Anspruch genommen. Die Blokade und Hunger f├╝hrten zum Massenaussterben nicht. Es blieben also viele Leute am Leben, trotz aller unmenschlischen Bedingungen.

1942 begannen Deutsche, Deportationen von Osten durchzumachen.

Das war ein neues Trauma f├╝r H├ńftlinge. Man behauptet, dass sich der Mensch an einen ganz schlimmen Alltag gew├Ânen kann. Diejenigen, die am Leben blieben, finden die Unterst├╝tzung in einander. Jetzt wurden sie voneinander getrennt und wurden gezwungen, alles wieder anzufangen, eine neue Erfahrung des Auslebens einzuspeichern.

Eine der gr├Âssten Aktion war die Deportation von H├ńftlingen des schon erw├ńhnten Warschauer Ghettos. Wir f├╝hren zwei Ausschnitte aus dem Tagebuch eines H├ńftlings ohne Kommentare anzugeben, weil die Situation in diesen Notitzen v├Âllig geschildert ist:

"Mittwoch, 22.7.1942

Das ist also das Ende des Warschauer Ghettos, das seit fast zwei Jahren verzweifelt um sein Leben gek├ńmpft hat. Heute Mittag wurden Plakate geklebt, die die Aussiedlung aller Bewohner "nach Osten˛└Ţ, ohne R├╝cksicht auf Alter und Geschlecht, verk├╝ndeten. Man braucht sich wohl nichts vorzumachen - diese Ank├╝ndigung ist das Todesurteil. Die Deutschen werden nicht irgendwo "im Osten˛└Ţ Tausende von Menschen ansiedeln, sie ern├ńhren und kleiden, dieselben Menschen, die sie in Warschau konsequent aushungerten. Es erwartet sie ein schneller oder langsamer Tod. Vielleicht gibt es nur Hoffnung f├╝r die Helfer der Deutschen, die von der Deportation ausgeschlossen sind: die Arbeiter in Industrie und Handwerk, Polizisten, das Personal des Judenrates und so weiter. Diese haben sogar das Recht, Frauen und Kinder bei sich zu behalten. Aber die ├╝brigen? Einen sehr deutlichen Anhaltspunkt enth├ńlt diese zynische Anordnung: Jeder Aussiedler darf 15 kg seines Eigentums als Reisegep├ńck mitnehmen. Es ist erlaubt, alle Wertsachen, wie Geld, Schmuck, Gold mit sich zu f├╝hren. Aber Gold durften die Juden doch seit einigen Monaten nicht mehr besitzen! Stellt euch in eine Reihe, damit wir euch t├Âten, aber bringt die Wertsachen mit, ihr erspart uns so viel M├╝he!

Das ist also die Erkl├ńrung der Aufregung, die seit Anfang der Woche hier um sich griff. Schon vorgestern liessen die Wachen an den Ghettoausg├ńngen niemanden passieren. Gleichzeitig verhaftete man mehrere hundert Personen und brachte sie, wie ich annehme, in den Pawiak, das Gef├ńngnis. Es waren ├─rzte, Rechtanw├ńlte, Frauen. Man sprach von Geiseln. heute verstehe ich mehr. Man nahm sie gefangen, um die anderen in Ruhe zu liquidieren. Ich verstehe und begreife die Juden nicht. Lassen sie sich wie Hammel zur Schlachtbank f├╝hren? Finden sie keinen Ausdruck des Protestes, der Verzweiflung? Unterdessen herrschte heute ein heilloses Durcheinander. Mittags begann die Menschenjagd durch die j├╝dische Polizei. Die Deutschen mischen sich nicht viel ein. Es gibt zwei Sorten von Uniformierten: schwarze und gr├╝ne. Sie stellten an allen Ghettoausg├ńngen Mascheinengewehre auf, und man h├Ârt fast ununterbrochen Sch├╝sse - ich vermute als Warnung. Aber diese wilde, unsch├Âne Schiesserei dauerte schon die ganze Nacht. Die Deutschen zielen mit ihren Gewehren in die Fenster und schiessen mit Revolvern auf Passanten. Eine ├─rztin aus dem Kinderkrankenhaus in der Sienna-Strasse erz├ńhlte mir heute, dass es in ihrem Geb├ńude kein Zimmer gibt, das nicht von aussen beschossen wurde.

Nun befasst man sich, wie es scheifnt, mit den Menschen, die nicht von Nutzen sind. Bettler, Obdachlose und Umsiedler aus der Provinz werden aufgegriffen und dann in gr├Âsseren Gruppen zum Platz an der Stawki-Strasse gef├╝hrt, wo ein Nebengleis der Eisenbahn endet. Unser Kundschafter war dort und sah angeblich, wie man sie mit Hals und Gedr├ńnge in G├╝terwagen verlud und diese dann mit Stacheldraht verschloss. Schlimmer als Vieh. Es regnet, und der Anblick dieses Elends, sagt er, w├ńre nicht zu ertragen.

Von fr├╝h bis sp├ńt kamen heute Dutzende von Menschen ins B├╝ro - manche kannten wir kaum - und flehten um Aufnahme in die Arbeitsliste, um Ausstellung einer Legitimation, um jede Art von Hilfe. Dies ist wirklich unm├Âglich. Die allgemeine Panikstimmung und Angst, durch die andauernde Schiesserei noch verst├ńrkt, ist so schrecklich, dass ich heute abend froh war, das Ghetto zu verlassen. Als ich dann das nahezu normale Treiben auf den Strassen Warschaus sah, konnte ich es nicht fassen, dass ganz in der N├ńhe Tausende von Menschen ins Jenseits "ausgesiedelt˛└Ţ werden˛└Ţ.

Dieser Zeit geh├Ârt der Begriff "auf der Flucht erschossen˛└Ţ. Tausend Menschen wurden auf der Flucht erschossen, ohne keinen einzigen Versuch wegzufliehen unternommen zu haben. Das Problem war, dass Deutsche keinen Platz f├╝r Deportierte hatten. Viele von zu deportierenden schafften nicht, die Eisenbahnwagen zu besteigen. Ihre Leichen blieben auf den Bahnsteigen. Auf solche Weise wurden Nazis Tausende H├ńftlinge los. Sie haben keine Graben gehabt, ihre Verwandten und Hinterbliebenen k├Ânnen bis jetzt ihre K├Ârper nicht finden.

Die Offen funktionierten Tag und Nacht. Die Eins├ńtze f├╝rs Erschissen arbeiteten praktisch ohne Pausen. Das half aber nicht, die Sintflut von H├ńftlingen nahm nicht ab.

Trotzdem mussten die KZ und Ghettos ausger├ńumt werden.

"Samstag, 5.9.1942

Die R├ńumung und S├ńuberung des Ghettos von den wenigen ├▄berlebenden dauert an. Grunds├ńtzlich von der Deportation ausgenommen sind nur Arbeiter, die in besonderen Strassenz├╝gen wohnen. Aus Angst vor einer "Blokade˛└Ţ fliehen sie aus diesen H├ńusern, aber offiziell lebt im Ghetto ausserhalb der "Bl├Âcke˛└Ţ niemand mehr. In Wirklichkeit jedoch halten sich noch viele Alte, Kranke und vor allem Fl├╝chtlinge dort auf. Einige treibt der Hunger ans Licht, andere werden von den H├ńschern entdeckt. In der Nowolipie-Strasse sah ich eine bezeichnende Szene. J├╝dische Polizisten trugen auf Befehl der SS eine gel├ńhmte oder vielleicht auch altersschwache Frau in ihrem Stuhl aus der Wohnung. Ein Deutscher liess sie auf die Strasse stellen, ging einen Schritt zur├╝ck und holte langsam seine Pistole hervor. Eisiges Schweigen herrschte ringsum. Dann schaute er der Alten direkt ins Gesicht und dr├╝ckte ab.

Montag, 7.9.1942

In der Firma hatte ich diesmal Sonntagsdienst. Es scheint, die Vernichtungsaktion wird mit der gr├Âssten Anstrengung gef├╝hrt und zugleich n├ńhert sie sich wohl ihrem Ende. Man weiss, dass einige Menschen am Leben bleiben - f├╝r wie lange? Es sollen 40000 bis 60000 Bewohner ├╝berleben. Gestern bekamen diese Gl├╝cklichen sogenannte Lebensnummern. Deshalb mussten sich alle Juden fr├╝hmorgens in der Mila-, Niska- und Smocza-Strasse sammeln. Wer diese Menschenmasse nicht sah, der kann sich ihre Furcht ├╝berhaupt nicht vorstellen. Diese riesige, verst├Ârte, machtlose und zugleich vor Angst und Unruhe brodelnde Menge bewegte sich langsam zu den Toren, wo die Auslese stattfand. Neben den Gendarmen und SS-M├ńnnern standen die Arbeitsherren der zerschlagenen Juden: Schulz und die Direktoren der ├╝brigen Fabricken. Die Leute gingen nach Arbeitsplatz und Wohnort geordnet. Viele hatten B├╝ndel und Lebensmittel mitgenommen. Unverbesserlicher Trieb, etwas zu besitzen! Hier habe ich nun furchterregende Dinge gesehen, vor allem die Trennung der Kinder von ihren Eltern. Ein Mann mit einem sechsj├ńhrigen Kind und einem S├ńugling - die Frau war schon deportiert - hatte die Chance, am Leben zu bleiben, allerdings ohne seine Kinder. Er liess sie mitten auf der Strasse stehen und ging zu dem bewussten Tor. "Papa˛└Ţ, rief die ├ńlteste Tochter. Das vergesse ich nie. Eine Frau, die nur allein durchgelassen wurde, versuchte trotzdem, ihren kleinen Sohn durchzuschmuggeln. Ein Deutscher trennte die beiden und pr├╝gelte angesichts aller die Mutter mit der Peitsche, trat nach ihr und schlug ihr mit F├ńusten ins Gesicht. Als er endlich von ihr abliess und die Frau zu sich kam, war das Kind schon fort. Es wurde mit den anderen weggetrieben. Ich habe die nach dem Kleinen suchenden Augen gesehen. Das vergesse ich nie. Ein alter, ungef├ńhr achtzigj├ńhriger Jude, wohl der Opa, kniete vor einem SS-Mann, einer zwanzigj├ńhrigen Rotznase, und flehte um das Leben eines Kindes, das er an der Hand hielt. Der Deutsche lachte. Das vergesse ich nie.

Donnerstag, 10.9.1942

Es wurden etwa 30000 "Lebensnummern ausgegeben. Es ist eine Karte mit einer handgeschriebenen, fortlaufenden Nummer, einem Stempel des Judenrates und einer Unterschrift. Viele Juden, die alle ihre Angeh├Ârigen verloren haben, w├╝nschen sich den Tod und geben sogar unentgeltlich ihren Freibrief ab. Die Frauen der Offiziere, die in Offizierslagern leben, hatten auch Nummern erhalten, doch gestern waren sie alle auf dem Umschlagplatz, wo man sie ihnen wieder abnahm. Die Liquidation n├ńhert sich ihrem Ende˛└Ţ.

Die Aussiedlung ist noch eine sch├ńmliche Seite der Geschichte vom 3. Reich. Viele am Leben gebliebene H├ńftlinge sind Zeugen dieses Alptraums. Ihre Erz├ńhlungen, Notitzen und Zeugnisse warnen uns, die Tendenz der neonazistischen Erscheinungen rechtzeitig zu bemerken und sie aus unserer eigenen Kr├ńften vorzubeugen.

VI. Deportationen im Westen.

Holland wurde von Deutschen am 10. Mai 1940 besetzt. Seit dieser Zeit f├╝rten Nazis ihre Aktionen auch hier durch. Die Nederlanden haben im Vergleich zu Russland, Polen, Frankreich nicht so viel erlebt. Es bestand kein Massenmord von Holl├ńndern. Es gab keine KZ, die so wie Buchenwald oder Auschwitz ins Buch der Schuld der deutschen Nation vor anderen V├Âlkern eingetragen wurden.

Trotzdem wurden hier Juden nicht in Ruhe gelassen. Das beste Verfahren der Jagt auf Juden, die Nazis in diesem Land ausgew├ńlt hatten, waren Razzien. Holland musste von Juden gereinigt werden.

Wir f├╝hren ein kurzes Zeugnis von Heinz Landwirth, einen "Auszureinigenden˛└Ţ:

"Am 27. Mai hatte die letzte grosse Razzia stattgefunden. Man sah kaum noch Juden in den Strassen, aber noch immer wohnten Hunderte von Familien in der Afrikanerbuurt. Auch in der Stadionbuurt gab es einige j├╝dische Familien. Wer noch nicht abgeholt war, w├╝rde bald abgeholt werden, daran war nicht zu zweifeln. Es war jedenfalls h├Âchste Zeit zu verschwinden. Gleichzeitig mit dem Persoonsbewijs - ich wurde Johan Gerrit Overbeek, geb. in Aalten, Gelderland, am 7. J├ńnner 1926 - bekam ich von der j├╝dischen Widerstandsorganisation die Adresse eines Bauern in Jutphaas bei Utrecht, zu dem ich mich zu begeben hatte. Ausserdem wurden mir Lebensmittelkarten f├╝r einen Monat ausgefolgt. Ich durfte den Persoonsbewijs selbst unterschreiben. Er war so gut, dass ich nie feststellen konnte, inwiefern er gef├ńlscht war, und man sagte es mir auch nicht. Ich vermute, dass seine Nummer ver├ńndert war, aber das war unbedenklich, da man bei einer Strassenkontrolle nicht gleich f├╝rchten musste, dass die Nummer ├╝berpr├╝ft w├╝rde. So hatte ich also jetzt alles in Ordnung, das Abenteuer konnte beginnen. Und rascher als erwartet begann es auch wirklich drei Tage sp├ńter am Sonntag, dem 20. Juni 1943.

Dieser strahlende Sommertag war der Stichtag, an dem Amsterdam "judenrein˛└Ţ werden sollte. Wer dann noch bleiben durfte, war hoher Funktion├ńr des Joodschen Raads, Portugiese, in Mischehe, sterilisiert oder "Ehrenarier˛└Ţ. Um sieben Uhr fr├╝h wurde mit Lautsprechen verk├╝ndet, dass sic h jede j├╝dische Familie mit ihrem Gep├ńck auf die Strasse zu begeben h├ńtte, die Wohnungen seien zu verschliessen. Wer nicht folge und nach Abschluss der Aktion gefunden w├╝rde oder wer zu fl├╝chten versuche, wurde mit Straflager bedroht. Das Ende hatte begonnen. Die Polizeiwagen mit den Lautsprechern fuhren fort, in andere Strassen. Es blieb merkw├╝rdig ruhig in unserer Gegend. Die B├╝ndel standen gepackt. Ich hatte ein K├Âfferchen mit den n├Âtigen Dingen auf meinem Bett. Mein Entschluss, noch im letzten Augenblick zu verschwinden, stand fest, wie aber, das wusste ich nicht. Granaats sagte ich nichts von meiner Absicht, es w├ńre auch sinnlos gewesen...˛└Ţ

Das ist nur ein Zeugnis. Wenn wir aber alle Zeugnisse von Menschen, die im Westen deportiert wurden oder unter solcher Risiko standen, hier angef├╝rt h├ńtten, h├ńtte der Stoff f├╝r eine riesengrosse Bibliothek gereicht.

Vom westlichen Gel├ńnde wurden Juden, die den Razzien nicht entgangen sind, in KZ deportiert. Die Zahl der Opfer ist so gross, dass die Historiker bis jetzt um die obere Grenze (von 50000 bis 100000) streiten.

VII. Auschwitz.

"Das Lager Auschwitz hat aus naheliegenden Gr├╝nden erneut darum gebeten, den zu evakuierenden Juden vor dem Abtransport in keiner Weise irgendwelche beunruhigenden Er├Âffnungen ├╝ber die Art ihrer bevorstehenden Verwendung zu machen. Ich bitte um Kenntnisnahme und Beachtung.

Insbesondere bitte ich, durch laufende Belehrungen der Begleitkommandos bem├╝ht zu sein, dass auch w├ńhrend der Fahrt den Juden gegen├╝ber nicht irgendwelche besonderen Widerstand ausl├Âsende Andeutungen gemacht bzw. Vermutungen ├╝ber die Art ihrer Unterbringung usw. ausgesprochen werden. Auschwitz muss mit R├╝cksicht auf die Durchf├╝hrung dringendster Arbeitsvorhaben darauf Wert legen, die ├▄bernahme der Transporte und ihre weitere Einteilung m├Âglichst reibungslos durchf├╝hren zu k├Ânnen˛└Ţ.

Fernschreiben des Reichssicherheitshauptamts an seine Dienststellen in Den Haag, Paris, Br├╝ssel und Metz

vom 29. April 1943.

Auschwitz ist eines der schlimmsten KZ, das w├ńhrend der Nazizeit funktionierte. Es gibt diejenigen, die behaupten dar├╝ber nichts gewusst zu haben. Es gibt auch diejenigen, die dazu ein Auge zudr├╝cken. Die merkw├╝rdigste Schicht von ihnen sind diejenigen, die sagen, sie haben den Befehlen nur Folgen geleistet. Uns interessiert aber ihr Verhalten gegen H├ńftlinge. Ihre Beziehung auf sie.

Aus dem Tagebuch des SS-Hauptsturmfr├╝hrers Prof. Dr. Dr. Kremer:

"28. August 1942

Zum M├╝tzeneinkauf nach Berlin geschickt, werde ich beim Weggehen von der Aufnahme informiert, dass der F├╝hrer vom Dienst mich zu sprechen w├╝nscht. Dieser teilt mir im Auftrage von Hstuf. K├Âbel mit, dass ich nicht nach Berlin reisen soll.

29. August 1942

Kommandierung lt. F. L. USSZ 2150 28.8.42 18.33 Nr. 1565 zum K.L. Auschwitz, da angeblich dort ein Arzt wegen Krankheit ausgefallen ist.

30 August 1942

Abfahrt Prag 8.15. ├╝ber B├Âhmisch Tr├╝ben, Olm├╝tz, Prerau, Oderberg. Ankunft im K. L. Auschwitz 17.36. Im Lager wegen zahlreicher Infektionskrankheiten (Fleckfieber, Malaria, Durchf├ńlle) Quarant├ńne. Erhalte streng geheimen Instruktionsbefehl durch den Standortarzt Hauptsturmf├╝hrer Uhlenbrock und werde im Haus der Waffen-SS in einem Hotelzimmer (26) untergebracht. Stabsscharff├╝hrer Wilhelmy. Siehe Virchows Archiv 1936!

31. August 1942

Tropenklima bei 38 Grad im Schatten, Staub und unz├ńhlige Fliegen! Verpflegung im F├╝hrerheim ausgezeichnet. Heute abend gab˛└┘s z.B. saure Entenleber f├╝r 0,40 RM, dazu gef├╝llte Tomaten; Tomatensalat usw. Wasser ist verseucht, daf├╝r trinkt man Selterswasser, das unentgeltlich verabfolgt wird (Mattoni). Erste Impfung gegen Flecktyphus. Photographische Aufnahme f├╝r den Lagerausweis.

1. September 1942

Von Berlin schriftlich F├╝hrerm├╝tze, Koppel und Hosentr├ńger angefordert. Nachmittags bei der Vergasung eines Blocks mit Zyklon B gegen die L├ńuse.

2. September 1942

Zum 1. Male draussen um 3 Uhr fr├╝h bei einer Sonderaktion zugegen. Im Vergleich hierzu erscheint mir das Dantesche Inferno fast wie eine kom├Âdie. Umsonst wird Auschwitz nicht das Lager der Vernichtung genannt!

3. September 1942

Zum 1. Male an den hier im Lager jeden befallenden Durchf├ńllen mit Erbrechen und kolikartigen anfallsweisen Schmerzen erkrankt. Da ich keinen Tropfen Wasser getrunken, kann es hieran nicht liegen. Auch das Brot kann nicht schuld sein, da auch solche erkranken, die nur Weissbrot (Di├ńt) zu sich genommen haben. H├Âchstwahrscheinlich legt˛└┘s an dem ungesunden kontinentalen und sehr trockenen Tropenklima mit seinen Staub- und Ungeziefermassen (Fliegen).

4. September 1942

Gegen die Durchf├ńlle: 1 Tag Schleimsuppen und Pfefferminztee, dann Di├ńt f├╝r eine Woche. Zwischendurch Kohle und Tannalbin. Schon erhebliche Besserung.

5. September 1942

Heute mittag bei einer Sonderaktion aus dem F. K. L. (Muselm├ńnner): das Schrecklichste der Schrecken. Hschf. Thilo, Truppenarzt, hat recht, wenn er mir heute sagte, wir bef├ńnden uns hier am anus mundi. Abends gegen 8 Uhr wieder bei einer Sonderaktion aus Holland. Wegen der dabei abfallenden Sonderverpflegung, bestehend aus einem F├╝nftelliter Schnaps, 5 Zigaretten, 100 g Wurst und Brot, dr├ńngen sich die M├ńnner zu solchen Aktionen. Heute und morgen (Sonntag) Dienst.

6. September 1942

Heute Sonntag ausgezeichnetes Mittagessen: Tomatensuppe, 1/2 Huhn mit Kartoffeln und Rotkohl (20 g Fett), S├╝ssspeise und herrliches Vanilleeis. Nach dem Essen Begr├╝ssung des nenen Standortarztes, Obersturmf├╝hrer Wirths, der aus Waldbr├Âl geb├╝rtig ist. Sturmbannf├╝hrer Fietsch in Prag war sein ehemaliger Regimentsarzt. Nun bin ich eine Woche im Lager, doch bin ich die Fl├Âhe in meinem Hotelzimmer noch immer nicht v├Âllig wieder los, trotz aller Gegenmassnahmen mit Flit (Cuprex) usw.

Einen erfrischenden Eindruck hat es bei mir gewonnen, als ich dem Adjutanten des Kommandanten meinen Antrittsbesuch machte und ├╝ber seinem Arbeitszimmer die grosse auf Papier gemalte Inschrift "Radfahrer absteigen˛└Ţ las. ├▄brigens h├ńngt auch in der Schreibstube unseres SS-Reviers der bemerkenswerte Spruch:

Hast du im Leben tausend Treffer,

Man sieht˛└┘s, man nickt, man geht vorbei;

Doch nie vergisst der kleinste Kl├ńffer,

Schiesst du ein einzig Mal vorbei.

Abends um 8 Uhr wieder zur Sonderaktion draussen˛└Ţ.

Unter "Sonderaktion˛└Ţ muss man Massenmorde und Experimente an menschlischer Gesundheit verstehen.

Im Auschwitz wurden etwa 200000 Juden umgebracht. Ohne Kommentar.

VIII. Deutschland wird "judenrein˛└Ţ.

"Gleichwertig neben unserer antibolschewistischen Propaganda steht diejenige gegen das J u d e n t u m. Jedem Volksgenossen muss es zur unumst├Âsslichen Gewissheit werden, dass die Juden die unerbittlichsten Feinde unseres Volkes sind und sowohl hinter dem Bolschewismus als auch hinter den Plutokratien stehen. Der "Deutsche Wochendienst˛└Ţ weist deshalb mit Nachdruck auf seinen heutigen Beitrag ├╝ber das kriminelle Wesen des Judentums hin. Die Behandlung dieses Themas geh├Ârt in den Rahmen der k├╝rzig hier als notwendig bezeichneten Weckung von Hassgef├╝hlen˛└Ţ.

Anweisung des amtlichen Zeitschriften-Dienstes

vom 2. April 1943.

Obwohl das Reich sein Territorium weiter vergr├Âsserte, wurden die Juden immer schneller vom neuen Gel├ńnde verdr├ńngt. Diejenigen, die nicht schafften, "neues Deutschland˛└Ţ zu verlassen, starben in vielen Gef├ńngnissen, KZ, Ghetto.

Nazis schienen ihre Ziele erreicht zu haben.

"Betr.: Evakuierungen von Juden aus dem Altreich˛└Ţ

1. In der Zeit vom 1. November bis 4. Dezember 1941 werden durch die Sicherheitspolizei aus dem Altreich, der Ostmark und dem Pro┬Ýtektorat B├Âhmen und M├ńhren 50000 Juden nach dem Osten in die Gegend um Riga und um Minsk abgeschoben. Die Aussiedlungen erfolgen in Transportz├╝gen der Reichsbahn zu je 1000 Personen. Die Transportz├╝ge werden in Berlin, Hamburg, Hannover, Dort┬Ýmund, M├╝nster, D├╝sseldorf, K├Âln, Frankfurt a. M., Kassel, Stutt┬Ýgart, N├╝rnberg, M├╝nchen, Wien, Breslau, Prag und Brunn zusam┬Ýmengestellt.

2. Aufgrund der Vereinbarungen mit dem Chef der Sicherheitspoli┬Ýzei und des SD ├╝bernimmt die Ordnungspolizei die Bewachung der Transportz├╝ge durch Gestellung von Begleitkommandos in St├ńrke von je 1/12. Einzelheiten sind mit den zust├ńndigen Dienststellen des SD zu besprechen.

Die Aufgabe der Begleitkommandos ist nach der ordnungsm├ń├▀igen ├▄bergabe der Transporte an die zust├ńndigen Stellen der Sicher┬Ýheitspolizei in den Bestimmungsorten erledigt. Sie kehren dann un┬Ýverz├╝glich zu ihren Heimatdienststellen zur├╝ck.

3. Die durch die Gestellung der Begleitkommandos entstehenden Kosten tr├ńgt der Chef der Sicherheitspolizei. Die Kostenaufstellungen der Polizeiverwaltungen sind nach Beendigung der Transporte zur Abrechnung an den Chef der Sicherheitspolizei einzureichen.

Schnellbrief des Chefs der Ordnungspolizei

vom 24. Oktober 1941

Mehr als eine Million Juden sind w├ńhrend der Nazizeit ums Leben gekommen. Hitlerkameraden waren sicher, die Geschichte wird sie bew├ńhern.

Das Schiff des 3. Reichs schaukelte aber immer mehr und ging endlich mit Ach und Krach unter Wasser der Zeit.

Das, worauf Nazis stolz waren, wurde sp├ńter gegen sie benutzt. Vor dem internationalen Gericht in N├╝rnberg wurde jeder aktive T├ńter und praktisch jeder Ideologe zur Antwort f├╝r seine Taten gezogen.

Es verging die Zeit. Deutschland kapitulierte, wurde besetzt, in zwei Staaten zerspaltet und wiedervereinigt.

Das, womit sich Nazis besch├ńftigten, wird nie vergessen sein.

Die Judenverfolgungen bleiben ein ewiger Schamfleck der deutschen Geschichte.

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